| Ein Leben an der Leine? |
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Da geht man ganz sorglos mit seinem Gordon Setter an der Leine spazieren und plötzlich kommt ein anderes Gespann um die Ecke. Und dann noch auf der selben Straßenseite und direkt auf einen zu. Irgendwie ahnt man schon, was gleich passiert und versucht deshalb die ersten Anzeichen seines oder des anderen Hundes zu deuten: Stellt sich da schon eine Bürste auf? Wird irgendwo ein Kopf abgesenkt Ohren nach hinten gelegt oder die Rute steil aufgerichtet und nur noch ganz kurz bewegt?
Könnte es sein, dass man dann sogar noch seinen Schritt verlangsamt um das unausweichliche noch etwas vor sich herzuschieben und zu retten, was zu retten ist? Schlimmer noch, wenn ein freilaufender Hund ohne Begleitung auf uns zukommt und noch nicht einmal ein Baum in der Nähe ist auf den wir uns retten könnten. Oder um alles zu toppen, die Hunde, die sich offensichtlich vertragen, an der Leine zusammen führt, in der Hoffnung, beim Kippen der Stimmungslage, seinen Liebling an der Leine aus der Gefahrenzone ziehen zu können. Wer einmal mit wachem Auge gesehen hat, wie Hunde sich begrüßen, nämlich jeder mit der Nase am Genitalbereich des anderen und dann 2-3 Umdrehungen um einander ausführend, - der weiß was mit den Leinen passiert, schon bevor die Stimmung kippt. Sehr oft sieht man gerade die Hunde, die sich auf dem Weg zur Freilauffläche übelst bedroht haben, im Freilauf einträchtig nebeneinander herlaufen oder sogar spielen. Liegt da nicht die Vermutung nahe, dass wir es sind, die die ersten Drohgebärden aussenden, wenn wir den anderen, fremden Hund sehen? Wir fixieren unseren gegenüber um ihn zu deuten, senken vielleicht sogar dabei den Kopf ein bisschen ab. Wir lassen ein wenig Hektik aufkommen bei dem Versuchalternativen zu der Konfrontation zu finden. Wir nehmen unseren Gordon Setter, der all unsere Gefühlsregungen registriert hat, noch kürzer an die Leine und nehmen ihm damit alle Möglichkeiten unsere Unzulänglichkeiten auszugleichen oder sogar zu flüchten. Dem Hund bleibt da doch nur der Angriff um sich und uns zu verteidigen. Also steht er binnen Sekunden steil in der Leine und spielt sich oftmals unter absoluter Fehleinschätzung der eigenen Chancen als Retter der Welt auf. Unser Gordon Setter ficht den Streit aus, den wir vom Zaun gebrochen haben. Würde man sich bei der Sichtung eines fremden Hundes schon mal darauf konzentrieren, ein Leckerchen aus der Tasche zu holen um den Gordon Setter auf die geschlossene Hand bzw. Sichtkontakt zu konditionieren und direkt nach der Begegnung das Leckerlie mit einem "Brav!" freigeben, dann ginge die Situation sicher anders von statten. Der Hundebesitzer kümmert sich dann um seinen eigenen Hund und weder Hund noch Herrchen fixieren den fremden Hund. Dieser wiederum fühlt sich nicht bedroht sondern durch Missachtung vielleicht sogar in seiner Wertigkeit korrigiert. Ähnliches gilt sicher auch bei der Begegnung mit Menschen. Es gibt ein Gefühl der Sicherheit, wenn mein frei laufender Hund, der andere Menschen sicher früher wahrnimmt als ich, aus freien Stücken zurück kommt, sich bei Fuß einordnet und mit zärtlichen Stupsern seiner Nase an der linken Hand daran erinnert, das er jetzt eigentlich ein Leckerchen verdient hätte. So ein Verhalten des Setters hat sicher nichts mit ganz hoher Schule zutun, sondern ergibt sich irgendwann sogar ganz von alleine. Man muss es nur in dem Moment auch erkennen und entsprechend feiern, egal was die Passanten von einem denken mögen. Dies kann man aber auch sehr gut mit der Schleppleine trainieren. Anfangs mit Kommando und Leinenkorrektur, dann nur mit Leinenkorrektur und schließlich ohne Leine nur mit Kommandos. Letztendlich wird ihr Gordon Setter sich über jeden Fußgänger, Jogger, Radfahrer oder Walker freuen. Hunde lernen erfolgsorientiert und wiederholen Dinge, die zu einem erfolg führen. Sie unterlassen jedoch Wiederholung von allein, was mit negativen Resultaten in Verbindung zu bringen ist. Die einfachsten Dinge sind aber auch bei dieser Thematik die effektivsten. So leint man z.B. seinen Hund an, wenn ein angeleinter Hund entgegen kommt und der eigene Hund noch nicht sicher bei Fuß geht. Es hat immer einen Grund, wenn ein Hund auf der Freilauffläche an der Leine geführt wird. Weiterhin ist es keine Schande einen anderen Hundebesitzer, aus welchen Gründen auch immer, zu bitten, seinen Hund für die direkte Passage kurzfristig an zu leinen. Jedoch sollte man überall wo es gefahrlos möglich ist, den eigenen Hund ableinen, wenn ein Freiläufer ohne zuzuordnenden Besitzer entgegen kommt.
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